Flugschrift

Offener Brief an den Rat der Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) – Zum Reformationstag 2016

Für einen freiheitlichen Evangelismus. Flugschrift und offener Brief

Sehr geehrter Herr Landesbischof Bedford-Strohm,
sehr geehrter Herr Bischof Dröge,

so sehr die Evangelische Kirche in jüngster Zeit den Islam verharmlost und die Masseneinwanderung befürwortet, so regelmäßig denken manche Christen über einen Kirchenaustritt nach. Ich möchte Sie herzlich bitten, Ihre politische Einseitigkeit zu überdenken. Bei vielen Christen wächst die Sorge, dass sich die EKD in einen Verblendungszusammenhang verrennt und linke Tendenztheologie betreibt.

Geradeheraus: Im religiösen Bekenntnis bin ich evangelischer Christ, schätze auch Freikirchen und Anglikaner. Aus politischer Überzeugung vertrete ich freiheitliche, soziale und nationalkonservative Werte, je nach Politikfeld in unterschiedlicher Gewichtung. Die gesellschaftliche Verantwortung dafür trage ich als Staatsbürger. Was meine christliche Haltung betrifft, so darf ich mit Luther hoffen, dass sie trotz menschlicher Fehlbarkeit vor Gott gerechtfertigt sein könnte. Es obliegt nicht Ihnen oder der Kirche, über meine Weltanschauung politisch oder theologisch zu richten.

Es steht Ihnen frei, den politischen Gottesdienst im Sinne Karl Barths oder eine Öffentliche Theologie zu zelebrieren – doch eine Kirche, die dies im Geist des Linkspopulismus tut, macht sich unglaubwürdig. Sie sollten als gesetzt ansehen, dass auch der Konservatismus – Bonhoeffer deutet dies in seiner ‚Ethik‘ an – Teil einer katechontischen Ordnung ist. Protestantisch auf den Punkt gebracht: Auch eine Mitte-Rechts-Partei zu wählen ist gerechtfertigt durch die Freiheit des Christenmenschen.

Wie stehen Sie und ich als Christen zueinander? Ich gehe vom Priestertum aller Getauften aus und stelle fest, dass Ihr Bibelverständnis von keiner höheren Weisheit geprägt ist als meines. Worin besteht unsere Gleichheit als Staatsbürger? Ihr Recht, sich politisch zu äußern, verdient nicht mehr Gehör als mein Recht. Wenn es eine Verbindung von politischer Präferenz und Protestantismus gibt, dann ist sie allein in der Freiheit des Geistes begründet, der bekanntlich weht, wo er will. Die größte Geistlosigkeit und Anbiederung an den Zeitgeist begegnet uns derzeit allerdings in der diskursiven und politikberatenden Dimension der öffentlichen Kirchenrede.

Jesus sagte: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ Die Bekundungen evangelischer Funktionsträger auf Kanzeln und Kommentarseiten erwecken jedoch den Eindruck, dass sich die EKD als Parteikirche der Grünen missversteht. Setzt diese Schlagseite eine unselige Gesinnungshaftigkeit Ihrer Kirche fort? Evangelische Willfährigkeit gab es bereits bei den Deutschen Christen und den Fürstenkirchen. Gerne schlägt sich die EKD für alte Irrungen reusüchtig auf die Brust, aber die Hoffart bläht sich prompt an anderer Stelle. Aus Obrigkeitshörigkeit heraus nunmehr einen soziopopulistischen Untertanengeist zu bedienen macht die Sache nicht besser.

Die EKD hat in den letzten Jahren einen permissiven Liberalismus und ein sinistres Schwärmertum in die Mitte der Gesellschaft getragen. Von Ehesegnungen für LSBTTIQ-Orientierte ist weder im Pentateuch, noch in den Jesusworten der Evangelien, noch in den Apostelbriefen die Rede.

Selbst Pfarrpersonal betet noch Internationalismus und Antipatriotismus nach, als hätte es nicht gereicht, dass einige RAF-Terroristen aus evangelischen Elternhäusern kamen. Linke Politik, das werden Ihnen Gemeindemitglieder bestätigen, die noch die DDR erlebt haben, zielt seit Marx und Lenin auf die soziale Ausgrenzung Andersdenkender und trägt ein Klima der Verachtung, der Zwietracht und des Hasses in die Gesellschaft. „Hass“ lautet das Lieblingswort der Linksautonomen. Viele Refugee-Initiativen pflegen Verbindungen in den Linksradikalismus, der Flüchtlinge für seinen Anarchismus instrumentalisiert. Es sei daran erinnert, dass jene Politik, die sich selbst gerne als „progressiv“ bezeichnet, in der gesellschaftlichen Praxis aggressiv-transgressiv vorgeht.

Demokratie ist genau das Gegenteil von Gottesstaaten und linken Gesinnungsdiktaturen. Der Demokratie zu geben, was der Demokratie ist, heißt für einen christlichen Staatsbürger, nicht als Migrationspolitik zu akzeptieren, was eine einsame Entscheidung einer Kanzlerin vorbei an Kabinett, Koalition, Parlament und Wahlvolk war. Kein Staatsorgan in einer Demokratie kann sich das Mandat anmaßen, eine einheimische Bevölkerung ethnisch zu verändern. Ein solcher Akt ist eine grundsätzliche Negation der Rechtssubjektivität der eigentlichen Staatsbürger.

Der Unterschied von Kaiser und Gott ist Ihrer Kirche lange nach Luthers Zwei-Regimente-Lehre auf das Übelste durcheinander geraten. Die heutige EKD sieht in der Praxis so aus: Sie maßen der Kanzel an, was allein Sache des Parlamentes ist. Und Sie lassen sich vom Staat als Kirchensteuer in den Klingelbeutel schütten, was eigentlich als freiwillige Gabe der Gläubigen an Gott zu denken ist.

Als laizistischer Christ sage ich Ihnen: Es braucht nicht mehr Staat in Deutschland, sondern weniger Staat. Und in Geist der Aufklärung: Es braucht nicht mehr Staatskirche in Deutschland, vor allem keinen steuerfinanzierten sozio-theologischen Komplex selbstgerechter Moralapostel. Wenn Sie vom demokratischen Staat erwarten, dass er religiöse Neutralität zeigt, dann kann auch die Demokratie von den Kirchen erwarten, dass sie politische Ausgewogenheit wahren. Und selbstverständlich hat der Staat das Recht, religiöse Gruppierungen einzuschränken, welche Demokratie aktiv ablehnen und eine Defragmentierung in die offene Gesellschaft hineintragen. Ich rede vom Islam.

Der Islam bringt nicht nur keine offenen Gesellschaften hervor, er sorgt auch dafür, das sich ansatzweise offene Staaten des Nahen Ostens wieder in geschlossene Systeme zurück entwickeln (Beispiel Türkei). In diesem Sommer haben französische Intellektuelle in der Zeitung Libération zum Widerstand gegen den Islam gemahnt, weil er eine Strategie der Einschüchterung betreibt, die sich mit unsinnigen, von den Linken entlehnten Rassismusvorwürfen gegen aufgeklärte Ideologiekritik zu immunisieren versucht. Der Islam ist in seiner Struktur eine Sekte mit Extremismusneigung, die in alle Lebenswelten einer Gesellschaft übergriffig wird. Seine Koranschulen wären eher Fälle für die EKD-Sektenbeauftragten, seine Moscheen sind bereits Objekte für den staatlichen Verfassungsschutz. Diese Erfahrung machen übrigens alle europäischen Staaten mit muslimischen Parallelgesellschaften.

Der flächendeckende islamische Religionsunterricht, den Sie unlängst gefordert haben, ergibt als Teil etwaiger staatsvertraglicher Vereinbarungen ein islamisches Staatskirchentum. Toleranz aber verliert immer, wo sie auf eine totalitäre Ideologie trifft. Jedes Entgegenkommen, jeder sozial-politische Raumgewinn wird den Islam in seiner Einbildung bestärken. Kein aufgeklärter Euro-Islam zieht hier ein, sondern fundamentalistische Parallelgesellschaften mit weiter wachsenden islamistischen Forderungskatalogen an das Bildungswesen, die Rechtsprechung und die Politik in Deutschland. Diese Verschmelzung von Politik und Scharia ist genau das, was der Islamismus für Europa anstrebt.

Was würde Luther, anknüpfend an seine Warnung vor der Türkengefahr, Ihnen heute sagen? Saudi-Wahabitische Moscheen und Religionslehrer der türkischen DITIB, die in den hiesigen Schulbetrieb hineinregieren wollen, gehören nicht zu Deutschland.

Blicken wir in die Bibel und sehen: Es führt ein Weg von Jesaja zu Jesus, aber es führt kein Weg von Jesus zu Mohammed. Es macht einen himmelweiten Unterschied, ob ein Religionsstifter Friedfertigkeit verkündet und als Gekreuzigter stirbt, oder ob er in der Wüste Raubzüge anführt, Andersgläubige ermordet, Sklaven handelt und Vielweiberei betreibt.

Die Beweiskraft einer fiktiven Fabel wie der Lessingschen Ringparabel ist gleich Null. Entscheidend ist nicht, ob sich verschiedene Religionen auf eine ähnliche Gottes-Idee berufen, entscheiden sind die diesseitigen Sozialordnungen und Lebenswelten, wie sie von Religion geprägt werden. Das ist der eigentliche politische Raum, in dem sich, wie sich zeigt, Unvereinbarkeiten bestehen.

Lesen Sie den Artikel des Politologen Bassam Tibi in einer der letzten CICERO-Ausgaben, in dem er resigniert das Scheitern der Idee EURO-Islam beschreibt. Lesen Sie das Sonderheft 13 der Zeitschrift „Aufklärung und Kritik“ von 2007, das alle drohenden Szenarien des Islamismus beschreibt. Warum denken Sie und andere Islam-Appeaser der EKD, dass Sie klüger wären als Publizisten wie Hamed Abdel-Samad, Ayaan Hirsi Ali und andere, die den Islam aus erster Hand kennen? Sie sollten öfter mit Christen in den Ostkirchen oder mit Vertretern des Judentums sprechen, um einzusehen, dass Ihr Philo-Islamismus von himmelschreiender Naivität ist. Nicht das Christentum werden Sie mit Ihrem interreligiösen Dialog beleben (die Mitgliederzahlen sind im Fall), sondern die Offenbarungsreligion nahöstlicher Herkunft gesamthaft in den Dunstkreis der Wahnhaftigkeit bringen.

Letztere zeigt sich bereits: Frau Margot Käßmann, Beauftragte für das Reformationsjubiläum, sagte angesichts islamistischer Attentate – gewissermaßen in die Gesichter der vom IS vergewaltigten und versklavten Menschen – dem Terrorismus sei mit Liebe zu begegnen. Wenn das die Haltung der EKD ist, dann bekommt Luthers Wort vom „verzagten Arsch“ einen ganz neuen Sinn. Im Impulspapier der EKD „Reformation und Islam“ wird allen Ernstes mit Blick auf Luthers solus Christus die Frage gestellt, „wie die darin zum Ausdruck gebrachte Exklusivität Jesu Christi in einer religiös pluralen Gesellschaft so bekannt werden kann, dass sie im Dialog nicht als anmaßend oder überheblich wahrgenommen wird.“ Sie halten Jesus also für ein Integrationshindernis? Dann werden Sie demnächst wohl das Abendmahl nicht mehr mit Hostien, sondern kultursensibel mit buntem Lokum feiern. Die Antwort auf Ihren „Impuls“ hat Jesus selbst gegeben (Joh. 14): „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Genauso sieht es das Barmer Bekenntnis. Es steht Ihnen frei, dies anders zu sehen, dann aber, liebe Herren Bischöfe, sind Sie keine Christen mehr.

Da Sie mit einer zentralen Aussage Christi offensichtlich Schwierigkeiten haben, lassen Sie uns jene Bibelstellen betrachten, die von der EKD für ihre Migrations-Soteriologie herangezogen werden. Auch hier argumentieren etliche Theologen vordergründig weil um politische Korrektheit bemüht.

In einer Predigt hörte ich, bereits das Volk Israel habe den Umgang mit Fremden sehr wohlwollend gehandhabt. Ich lese die fraglichen Textstellen des Alten Testamentes und sehe vor allem souveräne Realpolitik statt grenzenloser Einwanderungsgesellschaft. Unter Schutzstatus stehen die „Fremdlinge“, vergleichbar mit Asylbewerbern heutiger Zeit. Von ihnen wird jedoch als Bleibebedingung die Assimilation in die jüdische Religions- und Rechtsgemeinschaft verlangt. Eine zweite Kategorie sind die „Ausländer“, vergleichbar mit den Metöken im antiken Griechenland. Von einer Integration dieser Gruppe in das Volk Israel ist nicht die Rede. Nochmals ausdifferenziert ist das Verhältnis zu Nachbarvölkern – so sind etwa Ägypter überhaupt erst nach drei Generationen für die Aufnahme in die „Gemeinde des Herrn“ berechtigt, andere Ethnien grundsätzlich nie.

Bezüglich Zuwanderung kennt das Alte Testament also drei Muster: die zeitnahe Assimilation, die Kohabitation und die generationelle Integration. Aber in keinem Fall ist dabei eine Aufweichung der rechtlichen und religiösen Standards des Volkes Israel vorgesehen, die Anpassungsleistung ist gänzlich von den Zuwanderern zu erbringen. Wenn Sie sich diesem Leitkultur-Modell des Alten Testamentes anschließen möchte – sehr gerne – hier hätten wir eine gemeinsame Basis.

Weiter im Text, zum Neuen Testament: In der letzten Weihnachtszeit war zu vernehmen, auch Jesus sei ein Flüchtlingskind gewesen, weil seine Eltern mit dem Säugling nach Ägypten migriert seien. Sollte es den Ägypten-Aufenthalt tatsächlich gegeben haben, so führte er im Ergebnis aber nicht zu dauerhafter Emigration, sondern zur Rückkehr der Familie in ihre Heimat. Nähmen wir uns den Ägypten-Narrativ zum Maßstab, sollten wir auch von den derzeit immigrierenden Familien die baldige Rückkehr in ihre Heimatländer erwarten dürfen.

Ein weiteres Argumentationsmuster entnimmt die EKD dem 25. Kapitel des Matthäusevangeliums, in dem Jesus in seinem Gleichnis vom Weltgericht den König sagen lässt: „Was ihr einem Geringsten unter meinen Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan“. Die EKD schließt daraus, dass uns in jedem bedürftigen Menschen Christus selbst begegnet. Ist dem so? Nun enthält das 25. Kapitel allerdings drei Gleichnisse, die im Zusammenhang gelesen werden müssen. Wie immer Sie diese hermeneutisch auslegen möchten – geistlich oder weltlich – bitte verwenden Sie für alle drei Gleichnisse einen gleichen Maßstab.

Das erste Gleichnis erzählt von den „klugen und törichten Jungfrauen“. Hier sehen sich die Klugen außerstande, den Törichten, die nicht vorgesorgt haben, mit Lampenöl auszuhelfen. In geistlicher Lesart ist damit das Prinzip der Eigenverantwortung spiritueller Vorbereitung formuliert. Pflicht zur Subsidiarität. Die weltliche Lesart – moralisches Verhalten in einer Situation der Ressourcenknappheit – wird am besten kommentiert durch einen Satz des Bundespräsidenten Gauck zur Flüchtlingskrise: „Aber unsere Möglichkeiten sind endlich.“ Fazit: In einem flächenkleinen, rohstoff-armen und von fachlicher Bildung abhängenden Land wie Deutschland wird die endzeitliche Menschheitsbeglückung für die Weltbevölkerung vernünftigerweise nicht stattfinden.

Was meint in diesem Zusammenhang das zweite Gleichnis des Kapitels „von den anvertrauten Talenten“: Dem Knecht, der sein Talent nicht aus eigener Kraft vermehrt, wird beschieden: „Du bist ein schlechter und fauler Knecht“. Geistlich interpretiert meint das: Wer nicht zum Wachstum des Christentums beiträgt, es nicht verteidigt, wird sich nicht auf fehlende Geistesgaben herausreden können, sondern in eine Finsternis aus Heulen und Zähneklappern geraten. Sind Sie gute Knechte? In Ihren leeren, verdunkelten Kirchen? Die weltliche Empfehlung lautet: Mach das Beste aus deinen Möglichkeiten, aber verlange nicht durch Zutun anderer das Beste von allem Möglichen.

Im Text geht es nicht um Chancengleichheit, sondern um das Prinzip der Leistungsgerechtigkeit. Damit dürfen wir in calvinistischer Selbstverständlichkeit auch jene falsche Solidarität ausschließen, welche die Talente der Deutschen zur Gegenfinanzierung von griechischer Steuerhinterziehung, Banken-Boni, EU-weiten Staatsschuldenfinanzierungen und Sozialtransfers enteignet. Und ebenso dürfen wir uns die grenzenlose illegale Einwanderung in die deutschen Sozialsysteme verbitten.

Und das schon erwähnte dritte Gleichnis, jenes über das „Weltgericht“? Es argumentiert irdisch mit spezifischen, anlassbezogenen Hilfestellungen. Es fordert nicht universelle, unbegrenzte Leistungen, die den Helfenden dauerhaft zum Bediensteten des Bedürftigen machen und damit eine gegenseitige Co-Abhängigkeit begründen. Und rein spirituell gedeutet: Geht es womöglich gar nicht um Kantinendienst und Kleiderkammer, sondern um Selenspeisung und Seelenkleidung? Man kann zu Gute halten, dass Jesus in der rabbinischen Tradition nicht den weltlichen, sondern den spirituellen Bezug meint, wenn er von Brot, Wasser oder Kleidung spricht, also all dem, was die Seele an Wort und Weisheit zu Schutz und Stärke benötigt. Zudem redet Christus von einem Dienst am „Geringsten unter meinen Brüdern“ – ein impliziter Hinweis, dass es in der damaligen Situation um die akute gegenseitige Hilfe innerhalb der gefährdeten Christusgemeinde ging. Liebe deinen Nächsten – dieser Satz ist für die Ohren der Nahestehenden auf dem Berg der Verkündigung.

„Was ihr einem Geringsten unter meinen Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan“. . . begegnet uns also Jesus in jedem Menschen? Eine personale Repräsentation gibt die Textstelle nicht her. Zum Vergleich: Wenn Eltern ihrem Kind bei den Hausaufgaben helfen, dann helfen sie damit indirekt auch dem Lehrer, der leichter sein Klassenziel erreichen kann. Aus der formalen Abstraktion „Wenn Person A geholfen ist, dann ist auch Person B geholfen“ folgt also nicht, dass Person A und Person B in irgendeinem Identitäts- oder Präsenzverhältnis stehen.

Das beste Beispiel pragmatischer Caritas ist immer noch das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Als dieser einen Überfallenen an der Straße fand, gab er ihn vor Ort in einer Herberge zur Pflege. Das Gleichnis erzählt nicht, dass er ihn als Hausgast nach Samaria einlud, ihn seine Familie und Nachbarn nachholen ließ und über Generationen für deren Unterhalt gesorgt hätte.

Halten wir fest: Dem christlichen Gewissen ist Genüge getan mit einer Verantwortungsethik (Begriff: Max Weber), die zudem den Nächsten erst einmal als Nahestehenden im eigenen Beziehungsumfeld begreift. Hilfe kann geleistet werden als Hilfe zur Selbsthilfe, aber weder als Perennierung von Hilfe-bedürftigkeit noch als Befriedigung eines Helferkomplexes. Nicht Hypermoral (Begriff: Arnold Gehlen) ist gefragt, sondern praktische subsidiäre Ethik mit dem Blick für Vernunftgemäßheit.

Das Bedürfnis eines Menschen nach Unbeschadetheit, Arbeit oder Teilhabe ist zunächst einmal ein Ansinnen, das er an seine heimische Politik zu richten hat, nicht an Staaten, die tausende Kilometer entfernt sind. Es gibt kein weltweites Menschenrecht auf Migration in Alimentation. Wer, wo auch immer in der Welt, einen Sozialstaat wünscht, hat in erster Linie die staatsbürgerliche Pflicht, sein eigenes Land und dessen Institutionen entsprechend zu entwickeln. Politisches Handeln darf sich nicht an einer alleinseligmachenden Moral orientieren. Der säkulare Staat hat verschiedene gesellschaftliche Interessenlagen gegeneinander abzuwägen, die jede für sich moralische Argumente geltend machen. Wo Ethik universalistisch sein will ohne die situativen Möglichkeiten zu berück-sichtigen, wird sie zum leeren Moralisieren. Ein Staat kann die Grundrechte seiner Bürger analog zu den Menschenrechten verfassen – aber er kann nicht die Grundrechte im eigenen Land zur Inanspruchnahme auf die Menschheit übertragen. Die Menschheit ist kein Souverän im Staat.

Zurück zum Laizismus. In einer Demokratie obliegt die Praxis geltenden Asylrechts nicht den Kirchen, sondern einzig und allein dem Hoheitsrecht des Staates und der Regierung, die als Organ des Wählerwillens handelt. Kirchenasyl kann von Staats wegen nicht geduldet werden. Stattdessen wird das Asylrecht zu begrenzen sein, denn seine derzeit invasive Praxis zerstört die Kohäsion der deutschen Gesellschaft. Was ist geschehen, seit eine Million Menschen aus den blindgläubigsten Regionen der islamischen Welt illegal nach Deutschland eingeströmt sind? Probleme, die Deutschland natürlicherweise nicht hatte und nicht haben sollte, wurden in einem Ausmaß ins Land geschafft, dass Verwaltungen, Schulen, Haushalte und Staatsschutz an den Rand ihres strukturellen Versagens geraten. Die Rückschrittlichkeit und die Überbevölkerung in den Ländern südlich des Mittelmeeres wird sich in den kommenden Jahrzehnten dramatisch erhöhen. Wer jetzt Brücken für die arabisch-islamische und afrikanische Welt nach Europa hinein baut, der wird erleben, dass darauf noch Millionen beruflich unqualifizierter Menschen nachziehen werden und ein migrantisches Lumpenproletariat (Karl Marx) entsteht. Dann ist der Weg in den Bürgerkrieg vorgezeichnet.

Die Linke scheint dies insgeheim zu wünschen, wenngleich sie sehen wird, dass sich die Migrations-verlierer absehbar nicht dem Sozialismus, sondern dem Salafismus zuwenden. Für viele Deutsche wird der Zustand ihres Landes und ihres Alltags mit jedem Tag mehr zu einer Qual.

Nur ein paar jüngere Beispiele: Hamburg bemerkt, dass fast 90 Prozent der neuen Migranten aus den islamischen Ländern gar keine Berufsausbildung haben. Kinder erweisen sich als kaum beschulbar, ihre Eltern – Männer untersagen ihren Frauen die Aufnahme von Arbeit – für den Arbeitsmarkt als nicht vermittelbar. Auf Stadtfesten und in Schwimmbädern im ganzen Land werden junge Mädchen von Grabschergruppen angefallen. In Rostock klagt die Moscheegemeinde, dass Neuankömmlinge an einer strengislamischen Unterwanderung des Vereins arbeiten. In Bremen, Essen und Berlin wird öffentlich, dass libanesische Clans sich zu Mafias entwickelt haben. An großstädtischen Bahnhöfen treten verstärkt schwarz- und nordafrikanische Dealerbanden in Erscheinung. Die Nord-Bundesländer (evangelisch und rotgrün-regiert) werden zur Boom-Region der Wohnungseinbrüche. In zweiter oder dritter Generation hier lebende Muslimas ziehen vor Gericht, um dem Kopftuch Eingang in Institutionen des säkularen Staates zu verschaffen. Vor der TU-Berlin versammeln sich Muslime zu Pray-Ins – und melden diese als politische Demonstrationen an, um universitäre Gebetsräume zu erzwingen. Mehrfach- und Kinderehen ziehen in Deutschland ein. Islamisten aus Tschetschenien sickern illegal über die deutsch-polnische Grenze. Die Zahl salafistischer Gefährder wächst konstant. Christliche Flüchtlinge in Asylunterkünften werden von Muslimen angegriffen, während sich islamistische Attentäter auch schon in kirchlichen Einrichtungen auf ihre Taten vorbereitet haben.

Es ist nur ein Schritt von der fehlgeleiteten Heilserwartung des Gutmenschen zur Hölle auf Erden. Aber so geht es weiter, Tag für Tag und Nacht für Nacht – die Zahl der Übergriffe ist Legion.

Aber Sie, liebe Bischöfe, leben in einer ähnlichen Befindlichkeitsblase wie die Funktionäre der Berliner Parteizentralen und ihre Gesinnungsmedienvertreter. Sie werden Ihre Arbeit nicht verlieren, wenn neue Migranten unter Mindestlohn antreten. Ihre Dienstwohnungen betrifft nicht, dass Mieten für Familien nicht mehr bezahlbar sind. Sie schicken Ihre Kinder auf evangelische Schulen, wo es keine 90% Migrantenanteil gibt. Sie erleben nicht die Armut, die unsere Alten Pfandflaschen suchen und Kinder sonntags Gratiszeitungen verteilen lässt. Die hunderte Milliarden Euro, die Merkels Migrantenexperiment kosten wird, werden ja nicht von den Kirchen erwirtschaftet werden müssen.

Eben darum, meine Herren – und hier beziehe ich auch Ihre katholischen Kollegen wie Bischof Woelki oder Bischof Marx mit ein – eben darum ist Ihre Moral auch so abscheulich verheuchelt, weil sie die Konsequenzen ihres Handels nicht selbst trägt, sondern sich sogar noch am Ärger und am Geld der Betroffenen einen moralischen und pekuniären Mehrwert verschafft. Was so bigott und blasiert von den Kanzeln predigt ist eine selbstbesorgte und abgehobene Pfaffenkaste. Mit Verlaub: Pharisäer.

Vieles muss sich ändern in der Evangelischen Kirche Deutschlands.

Ich wünsche mir eine Kirche, die in die Mitte der Gesellschaft rückt. Trennen Sie sich vom Sozio-populismus und lassen Sie sich Ihren Glauben nicht von angeblich „progressiven“ linken Randgruppen diktieren. Der Sinistrismus ist theologisch zweifelhaft und in säkularer Sicht gesellschaftszersetzend.

Gehen Sie nicht mehr dem Denkschema der „repressiven Toleranz“ auf den Leim, mit dem die 68er vor einem halben Jahrhundert ihre Intoleranz gegenüber der bürgerlichen Mitte begründeten.

Ich wünsche mir eine Kirche, die sich nicht mehr in moralischer Überspanntheit verrennt. Die unzeitgemäße Schuldsuche der EKD bei sich selbst führt zu einer fast zwangsneurotischen Selbstbezichtigungstendenz für jedwedes Übel in der Welt. Das Helfer-Syndrom gleitet ab in ein Stockholm-Syndrom. Selbsthilfe und Subsidiarität sind die Werte, die es jetzt zu vermitteln gilt.

Ich wünsche mir eine Kirche der Gerechtigkeit. Gerechtigkeit basiert auf Verhältnismäßigkeit und Eigenverantwortung, und beides schließt moralischen Rigorismus und Tugendterror aus.
Der Universalismus offener Grenzen ist ein Hirngespinst. Grenzen sind noch immer das beste Organisationsprinzip für Staaten und Gesellschaften, denn sie sind dazu angelegt, die Bevölkerungen vor Übergriffigkeit im Inneren und vor Übergriffen von außen zu schützen.

Ich wünsche mir eine Kirche, die wieder eine realistische Theologie und Kirchenpraxis entwickelt, eine theologische Kraft, die sich an Jesus und Paulus orientiert, nicht an Judith Butler und Yanis Varoufakis. Kehren Sie zu einem vernünftigen Menschen- und Weltbild zurück. Werden Sie sich klar, wo Ihr Platz im säkularen Staat ist, und was Ihr Auftrag für die Mission im Namen Christi ist.

Ich wünsche mir eine Kirche, die nicht das Predigen mit politischer Propaganda verwechselt. Wenn Sie Ihre Altäre in obrigkeitstreue Parteitribünen verwandeln, sollten sie sich nicht wundern, dass Gemeindemitglieder künftig auch freiheitliche Parteipräferenzen deutlich in den von ihnen mitfinanzierten Kirchengebäuden artikulieren.

Ich wünsche mir eine Kirche, die das Prinzip der Eigenverantwortung für sich selbst gelten lässt. Es ist nicht einzusehen, warum Sie sich nicht auch wie die protestantischen Kirchen in Holland, England Frankreich oder den USA aus eigener Kraft sollten unterhalten können.

Ich wünsche mir eine Kirche, die das abendländische Kulturerbe als ihr Proprium versteht.

Ich wünsche mir einen neuen, freiheitlichen Kulturprotestantismus in Deutschland

Mit herzlichen Grüßen

Boris Preckwitz