Hysterie der Heilserregten ( # Schelsky)

Es würden Menschen geschenkt, frohlockte das Grünzeug,
das war der Spruch zum Fluch der guten Tat:
Eine Einheitspartei rief das Land zur Weltheilanstalt aus,
rasch, Rotfaschos setzten Räfjutschi-Räte in Marsch,
um mit Staatsknete Staat umzukneten. Ganz heißer
Scheiß. Dem offenen Schlägergenesungsheim
ward eitel Freude. Gewalt von Fremd gegen Arm
bestürzte die Tafeln, und in den Gassen das Grabschen
von Fremd gegen Frau. Im Palast des Belsazar schenkte
man weiter trüben Wein ein. Narren tunkten sich
die Schnuten bunt und johlten Herz statt Hetze,
derweil es für Hirn statt Herz bei ihnen nicht reichte,
spendeten Priester den Segen zum Sonderweg, sprich
Aggro-Moral. Man hatte doch Weltanschauung,
was brauchte man Werte. Die Fahrt von der Heilserwartung
zur Hölle auf Erden war frei für den Sattelschlepper.
(TEXT IST IN ARBEIT UND FORTSETZUNG)

„Geschichtlich gesehen findet mit diesem neuen Herrschaftsanspruch und dieser neuen Klassenbildung ein rückläufiger Prozess, eine ‚Reprimitivisierung‘, gegenüber der zumindest seit der Aufklärung vor sich gehenden Entmachtung religiös-klerikaler Herrschaftspositionen statt; ein neuer intellektueller ‚Klerus‘ versucht, die ‚weltlichen‘ Geschehnisse, das politische und wirtschaftliche Handeln, zu seinen Gunsten und nach seinen Zielvorstellungen in den Herrschaftsgriff zu bekommen.“*

* Helmut Schelsky: Die Arbeit tun die anderen. Opladen 1975. Seite 15 f.