Hysterie der Heilserregten ( # Schelsky)

Es gäbe Menschen geschenkt. Das Grünzeug hauchte
verzückt den Spruch zum Fluch der guten Tat:
Eine Einheitspartei bot das Land als Weltheilanstalt preis,
schon setzten Rotfaschos Räfjutschi-Räte in Marsch,
um mit Staatsknete Staat umzukneten. Ganz heißer
Scheiß. Dem offenen Schlägergenesungsheim
ward eitel Freude. Faustrecht von Fremd gegen Arm
ereilte die Tafeln, und auf den Straßen der Nachgrabsch
von Fremd gegen Frau. Im Palast des Belsazar schenkte
man weiter trüben Wein ein. Narren tunkten sich
die Schnuten bunt und johlten Hass statt Heimat,
derweil es Ihnen statt Herz nicht an Hetze gebracht,
spendeten Priester den Segen zum Sonderweg, sprich
Aggro-Moral: Die Fahrt von der Heilserwartung
zur Hölle auf Erden war frei für den Sattelschlepper.
Des Elends Anfang ist immer die Arglosigkeit.
Keine Verwaltung – oben deppert unten geneppt –
kannte die Daten der anderen. Die aber zum Schutz
des Landes ihr Amt bekleideten, warfen den Latz
zu Seite und spielten Kaiser. Wir schaffen das,
gaben sie von sich mit runtergelassenen Hosen.
Kleiner Anlass, große Selbstabschaffung –
dass Anno Achtzehn eine derbe Tracht
den Zeitenbrand entfachte, der das Reich
zunichte machte, schwante da auch keiner Seele.
Was nun im Kanzleramt der Klammerbeutel
in schwarzer Stunde puderte, war Staatsversagen.
Beamte verbargen die Strafbarkeit ihres Wegsehens.
Wer aber die Ehre wahrte, die Decke des Schweigens
vom Schwelbrand zu ziehen, der geriet unter Feuer.
Der Schaden stieg binnen Tagen auf Abermilliarden.
Vorrat und Seelen Schatz des Vaterlandes
verloderten. Statt Schadensbegrenzung höchste
Schadensentfachung? Mehr noch: Asche war es
mit der Gewaltenteilung. Ab auf den Stapel,
ab in den Aktenschrank, weg in den Keller. Geschafft.
Keine Verdrehtheit war verfehlt genug,
als dass sie nicht vertreten worden wäre.
Gezielt gesteuert lief die Umwertung der Werte:
Verfassungswille galt plötzlich als Volksverhetzung.
Wer an den Gesellschaftsvertrag gemahnte,
wurde niedergeschrien. Wer auf dem Rechtsstaat
beharrte, als Anwalt des Rassenstaates bezichtigt.
Wer sich der wahngetriebenen Hingabe ans Heil
verweigerte, zum Feind der Menschheit erklärt.
Verzerrte Welt. Die blanke Unvernunft wurde
als Tugend bejubelt. Man hätte doch Weltanschauung,
was bräuchte man Werte, verspritzten die Gutmenschen Gift.
Die deutsche Leitkultur verneinten sie
und fanden fremdes Volkstum umso reizender,
je geistesfeindlicher es aus der Zeit fiel.
Ach, die Sinistren. Blinde Bissigkeit,
wenn wieder eine ihrer Wahnideen
im hellen Licht der Wirklichkeit zerfiel.
Indes begann das Land aus tausenden Wunden
zu bluten. Polizei? Nein Danke. Klang dumpflinke
Antanzpolitik: Was haltet ihr auch
keine Armlänge Abstand! Kauft halt Alarmanlagen.
Vielen geriet das eigene Heim zur Falle,
Witwen ward geraten, die Gräber der Lieben
wegen der Friedhofsüberfälle zu fliehen,
und junge Mädchen griff der Notzüchtling sogar
in Zimmern von Krankenhäusern und Kirchenasylen.
Es bräuchte keine härteren Gesetze, lärmten jene,
die selbst die schwächeren Regeln ausgesetzt hatten.
Die Opfer der Not überlassen, die Täter bespaßen –
so schenkten Schafe das Fell ihrer Lämmer den Wölfen;
manche, von Nächstenliebe geritten, ließen sich
als Huren bespuckt, den Eintopf ins Gesicht schmeißen.
Vermeintliches Mitleid war eher der Selbstverneiner
Selbstmitleid in Gestalt. Die Sehnsucht nach
Beschädigung nährte die Helfer. Auch so ein Tick:
die Gesinnungsethik… Herzexperimente
am offenen Hirn. Hilfe war nicht mehr Hilfe,
sondern Anstiftung zum Landfriedensbruch. Es priesen
solche sich weltoffen, die sich der eigenen Heimat
verschlossen. Possenwort eines roten Genossen:
Wertvoller wäre als Gold, was die Flüchtlinge brächten…
die aber brachten aus der Hölle des Halbmonds
den Judenhass in die Klassen. Antirassistische
Schulen gediehen von Verwahranstalten
zu Verwahrlosungsanstalten. Volle Umkehrung.
Vor allem die Parallelgesellschaften pflegten
Vielfalt als Kopftuch. Ins Viertel der Nichtintegrierten
sickerten Nichtintegrierbare. Straßen hüllten sich
wo Einsatzkräfte eintrafen, in Schweigen,
von gestern auf heute wurden Zeugenaussagen
nicht mehr erinnert. Das war die Geschäftsgrundlage
der No-Go-Zonen und Ghettos im Lande der Sozen.
Denn so läuft links: Ein Weltbild, das, gebürstet
auf Wiedersprüche, stets zu scheitern hat
an seinen eigenen Widersprüchlichkeiten:
Raus mit der Ordnung, rein mit der Verhordung;
das Fortschreiten des Verfalls galt wieder als Fortschritt.
Linkerhand sah man den Staat als Sozialamt der Welt –
als billigen Arbeitsstrich hingegen betrieb ihn
die Internationale der Liberalisten. Im Valley
von Elektropolis rollten die Autos von selbst
in die Schrottpressen, voll unter Hydrostrom
schossen taumelnden Aluminiumtürmen
die Lifts durch die Fenster, und Fließbänder spuckten
aus Käse zusammengeklebt wieder Viehherden aus.
Simsalabitstream! Einem Konzernchef,
der seiner Dividende die Maschinisierung
schon eingespeist hatte, erschien im Migranten
das leibhaftige Wirtschaftswunder. Ach so.
Oder meinte er Wirtswanderer? Worte ergaben
so gar keinen Sinn mehr. Grüne, die Flüchtlinge
als Geflüchtete behübschten, hielten ja auch
Lehrlinge für Gelehrte. Schaffma, na woll –
Millionenstädte wurden gewirtschaftswundert
Flughäfen fix zu Hunderten, flugs aus dem Hut
Hochschulen hingezaubert, auf jeden Deutschen
entfiel ein Ingenieur und Robo Sapiens,
das aber – war China. Wir riefen Analphabeten.
Schriftlose. Wissenslose ohne Schimmer.
Zu Lernen nie gelernt. Aber – Djärrmoney.
An einer Hand war auszurechnen, das gab
echt Pfusch am Bau. Nach wenigen Wochen schon
waren Wohnungen nicht mehr bezahlbar, da grüßte
den Steuerzahler statt der alten Stelle
ein neuer Quellcode. Sorry, dein Job ist futsch
und kehrt nicht wieder, sirrte ungerührt
die kybernetische Intelligenz und glitt
aus der Montage in die Managementetage.
Aktien inflationierten. Zinsen zerfielen.
Wohl gab es Wertschöpfungsketten – vom Schleppernetz
zu Bettenplätzen: beim organisierten Verbrechen.
Es kam, wie es sollte. Entgegen frommer Erwartung.
Was hier ein Kindsflüchtling an Kosten verursachte,
hätte in Afrika hunderte Köpfe beschult.
Wenn alles herkommt, wo der Pfeffer wächst,
steigen wir auch auf Strauch und Kraut um, blökten
die Ökos von Schilda, düngten den Acker mit Lake
und hielten Brennnesseln für Kochsalzrohr.
Auch dieses Elend konnte nur gedeihen
auf falschem Boden: als Bürge des Glücks galt nicht mehr
eigenes Schaffen, sondern Stütze vom Amt.
Die Werkbank in die vierte Welt verfrachten
und dafür ins Sozialsystem die Einfuhr
der Slums? Was faulte da an immergärenden
Zersetzungsphantasien im Sumpf der Linken?
Welche Miasmen der Gedanken-Stasi
umduselten Genossin und Genossen?
Aus jedem Zeilendurchschuss dünstete
der Mief der Sykophanten. Dienstbare Spitzel
erhielten wieder den Segen der Sozialisten.
Wem deren Unheil noch dämmerte, erst stumm
vor Grimm war der. Aber dann auf die Straße!
Die Guten seid ihr nicht! Wir sind das Volk!
Hoppla, wie hurtig klebten da die Kameras
vom Staatsfernsehen auf braunen Kulleraugen.
Ganz großer Bahnhof. Welcome im Schokodrom –
jetzt endlich konnte hemmungslos der Gutmensch
die Hetzerchen des eigenen Seelensiff
zum Heil der Menschheit aufmarschieren lassen.
Herrschende Presse – zerstörte mit Nichtberichten
und Nichtgewichten den Raum der Öffentlichkeit.
Während sie fragliche Fakten als höhere Wahrheit
heilig sprachen, entschwand unter ihnen der Boden
der Tatsachen; den Heilsverkündern ging
wie allezeit das Unheil Seit an Seit;
und Heimsuchung war Ausgeburt der Heilssucht.
Wieder mal Weltverbesserung? Mal wieder
der große Sprung aus der Geschichte? Und wieder
der harte Aufschlag in der Alptraumlandschaft
des neuen Menschen. Heilegänschenschwärme
knallte die Hacken in den Farceprozessen
politischer Korrektheit. Die Verzerrung des Redens
wollte Entwendung des Denkens. Weihnachtsmärkte
taufte man Wintermärkte. Suren der Mordlust
aufmal Erbarmungsreligion. Dass Juden
vormals für Gott und Volk gemordet wurden,
das bessern durch den Massenzuzug von
Muslimen?… Islamisten… Gerade die?
Verkehrte Welt, sie gingen auf den Köpfen.
Hinter den schwedischen Gardinen sah es
bald aus wie in den Knästen des Maghreb,
das Mehr an Mehrfachtätern aber blieb,
weil schlichtweg Zellen fehlten, unbehelligt.
Es hieß, es kämen Menschen, aber es kamen
auch Irre, Vergewaltiger, Vertierte…
behaltet die Kriminellen, beschied spendabel
die Herkunftsmedina, der Scheich will sie auch nicht geschenkt.
So lief das Asyl-Paradox: die Fliehenden festigten
die Despotien und schwächten die Demokratien.
Einzelne Asylanten verübten Unfassbares:
mal eine Mutter vor den Augen ihrer Kinder
geschlachtet, mal das Kind vor den Augen der Mutter.
Wovor stets gewarnt worden war, das ereilte
jetzt die Verletzlichsten als Schmerz fürs Leben.
Jene, deren Pflicht die Pflege des Staates
verlangte, übten stattdessen das Pflichtvergessen.
Dass die Rechtsordnung ausgesetzt war, befanden
selbst die Gerichte beim Freisprechen der Verbrecher.
In Kabul ein Mörder gewesen zu sein, galt
in Köln als Asylgrund. Narrhalla, öffne dich!
Perverse Verhältnisse: Erwachsene Männer logen
sich minderjährig, und Kinder in Ehen zu zwingen
hielt mancher Prediger für Menschenrecht.
Wo je das nett Gemeinte falsch Gemachtes
weil schon im Ansatz schlecht Gedachtes war,
kam eh das Gegenteil von gut heraus.
Heilspriester stellten sich in den Dienst des Islam.
Erlöse uns von dem Bösen, beteten sie –
und sahen salbungsvoll ihren Brüdern und Schwestern
der alten Kirchen beim Zersprengtwerden zu.
Der Gipfel: Selbst die Pastorentochter lieferte
die Wahlkampfmunition zum Putsch des Sultans.
Ging es noch irrer? Verblendung ging immer noch irrer.
Da traten Kirchen als Parteizentralen
in Erscheinung, als ob geschrieben stünde,
die Samariter hätten sich Millionen
ins Haus geholt, hinweg die Tür, die Tor
macht weit, und seid des Wahnsinns fette Beut.
Gefühlsdusel camouflierte sich mit Vernünfteln.
Wo weder Schuld noch Schuldigkeit, da grub
das Paradox des Über-Ich sich Suhlen.
Und doch, es lag kein Segen auf den Taufscheinen
der Scheintaufen. Kein Zukunftsmorgenrot.
Kein Goldflor. Auch Mitleid geriet zu Mittäterschaft.
Katechistische Frage: Was war denn falsch
an den Passlosen? Namen? Das Alter? Land? Oder alles.
Inschallah. Zahlstelle. Geldkarte! Yallah, du Scheißenchrist!
Der Wahn fand Nachahmer. Alle Amtswege schienen
nur dazu geschaffen, in aller Instanz zu versagen.
Die Invasionsindustrie fabulierte von lohnenden
Investitionen, in einer Generation schon,
oder in drei oder vier, in sieben, womöglich
am jüngsten Tage, wir Heutigen würden das Heil
eben nicht mehr erleben. Solange müsste es reichen,
das gute Geld dem schlechten nachzuschmeißen.
Dem Auflauf geht´s doch gut, fand aufgebläht
die goldene Kruste unterm Kaviar – da war
der Boden schon verkohlt. Und an dem Apfelbaume
der Frühlingsbirnen hing die letzte Pflaume.
Gesellen, folgt uns unverwandt, wir fahren
ins Schlaraffenland, schwappte froh der Gesang
von den Narrenschiffen. Die mit den Riemen spielten,
steckten schon kieltief im Schlamm; die Jammermannschaft,
die schon im Strom mit schwerer Schlagseite krängte,
lenkte den Seelenverkäufer quer in den Brecher –
und bei den Sporaden sägten sie immer noch Lecks
aus der Bordwand schnitzten die Luft aus den Löchern
Europas Schlepperballet! Das Dolcefarniente
hieß nun europäische Lösung, die Bürgerentmündigung
europäische Lösung, Schulden und Steuerschluderung
europäische Lösung, Erpressung von Nachbarstaaten,
die offenen Grenzen, der freie Sog des Verbrechens,
europäische Lösung. Die ihr Lohn und Brot
den Volk verdankten, dankten es den Wählern
mit Volksverächtung. Europäische Lösung:
Ran an den grünen Spieltisch, rien ne va plus!
Was diese Politiker trieben, kannte man nur
von Spielsüchtigen, als würde alles gut,
wenn nur die Einsätze ins Unendliche wüchsen.
Was aber den Rechtsstaat schützte – Grenzen, Gesetze –
versetzte die kanzelnde Kaste mit leerem Geschwätz.
Das deutsche Sozialsystem wuchs mehr und mehr
zum Schneeballsystem für den Süden. Und als die Lawine
am Hang der Lügen ins Rutschen kam, verkündeten
die Heilsverrückten, ihr Glaube versetze den Berg.
Warum sollte nicht die Sonne die Erde umkreisen,
es gäbe auch Menschen, die ihre Geschlechter fälschten.
Künstliche Hypergerührtheit hinterließ
Gemüter in Zerrüttung. Die Würde des Menschen
wurde zur Bürde, die Menschen und Bürger erdrückte.
Die aber ahnten, aber nicht wollten wahrhaben,
die Dummbraven, wie ihre Hierokraten sie narrten,
verfielen in dumpfes Beharren und Duldungsstarre.
In Wahrheit regierten Seelenverwüstung und Willkür.
Inverse Elemente. Selbstbezichtigungen
und Ich-Schwäche waren die Schliche der Invertierten
beim schrillen Schrei nach Liebe. Christen und Linke,
Linke und Christen, diesen schiefen Pärchen
war Politik die eigene Psychokiste.

(TEXT IN FORTSETZUNG; Bearbeitungen am: 25.4., 1.5., 3.5., 4.5., 9.5., 10.5., 11.5., 13.5. 14.5.17.5., 18.5., 23.5., 28.5., 30.5.; 4-10.6., 19.-22.6. ff)

„Geschichtlich gesehen findet mit diesem neuen Herrschaftsanspruch und dieser neuen Klassenbildung ein rückläufiger Prozess, eine ‚Reprimitivisierung‘, gegenüber der zumindest seit der Aufklärung vor sich gehenden Entmachtung religiös-klerikaler Herrschaftspositionen statt; ein neuer intellektueller ‚Klerus‘ versucht, die ‚weltlichen‘ Geschehnisse, das politische und wirtschaftliche Handeln, zu seinen Gunsten und nach seinen Zielvorstellungen in den Herrschaftsgriff zu bekommen.“*

* Helmut Schelsky: Die Arbeit tun die anderen. Opladen 1975. Seite 15 f.