Rights of Men (# Burke)

The pretended rights of these theorists are all extremes; and in proportion as they are metaphysically true, they are morally and politically false.“ *

Natur gewährt kein Recht. Recht geht nicht hervor aus der Natur. Natur besteht in der Ermächtigung des Selbst bei der Bemächtigung von Außerselbst. Naturrecht und Naturgesetz sind Worte, die zu Fehldenken führen. Natur stellt nicht Gesetz dar, sondern Verfügungswirken. Naturrecht wäre diesbezügliche Gewalt. Was aber sind Recht und Gesetz? Ergebnis von Gesellschaft, denn nur Menschen können Menschen Recht gewähren. Seht die ersten Gesetzgeber und ihre Gefährten: Sätze legte Lykurg dem Thaletos in die Seele. Und dieser, angekommen in Sparta, erschloss in entsprechend geregelten Versen den Geist der Gesetze. Erst das Durchsetzen von Gesetzen schafft geltendes Recht. Erst die Geltung des Rechts lässt Verfassung entstehen. Mensch und Gesetz, Recht und Verfassung – aus diesen besteht der Gesellschaftsvertrag. Sein Rechtswesen ist ein Dreieiniges: als Grundrecht, das Vorfahren einer Gesellschaft erwarben, als Vorrecht der Lebenden, die das Erbe antreten, als Anrecht ihrer Nachkommen, die noch geboren werden. In Rechtsnachfolge bleibt es das Recht der Gesellschaft, sich selbst Gesetzgeber zu sein. Kein Gesetzgeber hat Befugnis, entgegen des eigenen Gesellschaftsvertrages, das Rechtswesen und dessen Pflege an einen fremden Gesetzgeber abzutreten. In Verfassung bildet Gesellschaft Staat. Dafür, dass jede Gesellschaft ihren Staat zum Besten pflege, hat sie nach dem Lebensrecht ihres Volkes eine eigene Gegend der Erde zu hegen. Deshalb: kann es von Gesetzes wegen nicht geben ein allgemeines Recht der Menschheit, in ein bestimmtes Land zu streben. Wohl begehrt der Mensch nach Wohlergehen, aber das setzt keinen Anspruch ins Recht. Was dem Menschen von Natur aus zukommt, ist Selbstpflicht bezogen auf sich und die Verfassung seiner Herkunftsgesellschaft. Alles andere ist Vermessenheit und falsch geweckte Erwartung, gedeckt von keinem Recht der Welt.

* Edmund Burke. „Über die französische Revolution“. The Works. Hildesheim/New York 1975. Vol III/IV. S. 313