Society

Ruhe macht reich
auf der feinen Gesellschaftsinsel
hat sich die Weltläufigkeit
bis Home&Garden durchgeschlagen
und aufgetakelt törnt der Small Talk
durch die Debuts der Daddymädchen
im Habit von Handelsrecht und Hermès.

– Bestens! hat sich´s liquide gelebt,
prosten Honoratioren im steifen Parlando
von Mann zu Mann – eine Cigarrenmarke
ist wie eine Frau –
es schmeckt immer die,
die man gerade liebt.

Und Polonotare reiten
für Fonds und Bonds von Euroland Parforce,
während am Totalisator
Fischgrät vor Hahnentritt
auf gute Performance antrabt,
extemporieren die Seilschafter Steigbügelhalter
wie je
beim Law-meets-Business-Ball über den Wolken
ihr Halali zur Nebenwerte-Rallye,
und wie auf Kommando
jubelt das späte Geschäft vom Parkett,
sein Quentchen Kollateralentlassung
im Kursfeuerwerk schon berücksichtigt.

Hier und, verehrte Herrschaften, heut gilt es:
Partei für dritte Wege zu ergreifen, einmal mehr
dem freien Markt einen kecken Scheitel
über die Straffungsnarben zu pflanzen.

Sogleich doch:
ein Befeuchtersystem für Deutschland,
schnöselt die freie und Debattiergesellschaft Humidor,
die putzmunter Legislatur probt,
und hängt die Regattakrawatte
fein seidenscheinig in den Wind,
dieweil der Ruhestand
schon unter der Gürtellinie beginnt.

Nur das ist kein Thema
beim tète-a-teatime perlikürter Silbersträhnchen,
Nervenkostüme schaumgefestigt,
machen bella figura im Rausch der Kaufkraft,
denn gegen den kleinen Kummer
trösten psychoaktive petit fours:

– Sie auch noch ein Kanapee … ach bitte was?
Nicht eine Hockeyhochzeit weit und breit?
– Also finden Sie nicht, liebe Damen,
auch unsere Kreise
müssen erst wieder lernen,
mehr Fürsorge füreinander zu üben?

Erstveröffentlicht in:
Boris Preckwitz, szene.leben, poems und Performance, Passagen Verlag, Wien, 2009, S. 54/55
ISBN: 978-3-85165-907-8