Nicht ihr Land

… dann sei das nicht ihr Land,
haspelte die Kanzlermadame,
nachdem sie wenig anderes getan,
als Schaden
auf das Land zu laden.

Dann also. Sagen wir ihr
und all den anderen Schlafwandlern
wie wir unser Land nicht haben wollen!

Nicht länger mehr:
gefangen im Zeitraffer von Staatsversagen Verfassungsversagen Verwaltungsversagen,
abgewirtschaftet von beamtischen Linksanpassern erkennbar an ihrem Tatterich der öffentlichen Hand,
während Beschaffungssippschaften Straftat um Straftat und Straftat den Raum bemessen, in dem der Rechtsstaat sich abschafft.

Kein weiteres Jahr mehr:
berannt von Migranten fremder Landmassen, Wanderscharen auf Wanderscharen, anrennend mit Gewalt in den Köpfen und Wahngedanken aufgeklaubt aus den Staubfahnen vergangener Jahrhunderte.

So nicht:
befallen von Illegalen und Infiltranten und parteigebundenen Landesabschaffern als parlamentarischem Arm der Schleuserbanden und auch das nicht mehr – belagert von Hirnverbrannten im Namen Allahs, aufmarschierend aus im-Namen-Allahs-gescheiterten Staaten. Und erst recht nicht mehr ver-nsa-wanzt bis in den letzten Speicherplatz, während die Kanzlermadame gerade Neuland vor sich glaubt. Und keinen Tag länger: von morgens bis abends betrugschwatzt von den Schranzen in Verlagen und Landesanstalten.

Es soll so nicht sein: Dass der eigene Staat sich in Grenzland verwandelt und ein neuer Grenzlandkampf gleich am Eingang der Straße beginnt!

Darum, jener Kanzlerin,
die nicht unsere Kanzlerin ist,
und all den anderen Genannten ist hier zu sagen:

Dieses Land
ist
nicht ihr Land.

Man darf sagen

Genau um das geht es,
was gesagt werden darf.

Mehr noch – geht es um das,
was gesagt werden muss.

Was sagt werden muss,
darf gesagt sein,

soll gesagt sein,
gehört sich gesagt.

asylzerruettung

a s y l d r u e c k e r a s y l h e i m s e r a s y l
s c h l e u s e r a s y l  z e r s e t z e r  a s y l u
n t e r w a n d e r e r a s y l b l u f f e r a s y l
z i n k e r a s y l l u e g n e r a s y l r e  c h t s
b e u g e r a s y l e n t l e e r e r a s y l t r i c k
s e r a s y l p r o z e s s i e r e r a s y l a u s s i
t z e r a s y l f o r d e r e r a s y l a u s h o   h l
e r a s y l a b g r e i f e r a s y l n e p p e r a s y
l e r s c h l e i c h e r   s y l k l a e g e r a s y l f
e l s c h   r a s y l s c h l e p p e r a s y l a b t a
u c h e r a s y l s t o e r e r a s y l s t r e u n e r
s  y l n o e t i g e r a s y l a b n i  c  k e r a s y l
b   s e i t i g e r a s y l p r e s s e r   a s  l s c h r
o e p f e r   s y l k l e m m   r a s y l a b s t a u b
r   s y l b e l e s t i g   r a s y l   n t s o r g e r a s
y l p r e l    r   s y l b e s c h   d i g e r   s y l s   c
k e r e r   s y l h e i s c h   r a s y l m i t n e h m
e r a s y l k u p p l     s y l s c h i n d e r   l h a u
s i e r    s y   f l e d d e   r   e r a s y l b   m a e c
i g e r a s y l v   r w u e s t   r a s y l e n t    w u
e r d i g e r   s   l m i   t l a   r a s y l  e r  u  tt  r

feminihilismus

wir haben abgetrieben,
gifteten
die freundinnen des fötentötens.

wir haben die erde von unseren kindern
nur geborgt,
brüsten sich kinderlose.

ihre bäuche gehören dem tod.
ihre zellen
bringen sie unter die erde.

Afrikas Schande

Die ersten,
die Menschenjagd machten auf Schwarze,
waren die Schwarzen.
Und das ist die Schande
des schwarzen Mannes –

Amin, Eyadéma,
Kagame, Obiang,
Mugabe, Nguema,
Mengistu Mariam –

Kontinent des koranischen Terrors !
Kontinent des roten Terrors !
Kontinent der Killerschwadronen und Kindersoldaten !
Und jene,
die Afrikaner versklaven,
sind immer noch Afrikaner –

Barre, Hastings Banda,
Charles Taylor, Touré,
Bokassa, Kaunda,
Bashir, Traoré,

Und immer noch Menschen
im Zustand der Steinzeit.
Und immer noch keine Einsicht in eigenes Versagen,
und immer noch keine Anklagen und Verfahren
auf dem Erdteil der Kader und Clans,
auf dem Erdteil der scheiternden Staaten und Zwangherrschaften
von Folterknechten und Schlächtern –

Afewerki, Biya,
Habré, Sese Seko,
Déby, Babangida,
Abubakr Shekau –

und Schwarze sind es,
die immer noch Schwarze
verjagen, vergewaltigen, zerhacken,
Wo immer sie darben
auf Wegen und Wellen,
wo immer sie sterben
in Wäldern und Wüsten,

das Elend Afrikas
ist die Schande des schwarzen Mannes.

© Boris Preckwitz 2015

Sozialislamismus

der islamismus
habe ja nichts zu tun
mit dem islam.

der hassprediger
habe gar nichts zu tun
mit dem hass.

der halsabschneider
habe nichts zu tun
mit dem halsabschneider.

er habe wohl nur gerade
nichts anderes zu tun.

 

 

© Boris Preckwitz 2015

Diversity Management

Die Assyrer, gefürchtet
aufgrund der Vernichtung
von Städten und Menschen,
siedelten Stämme um, wohl wissend
dass Umsiedlung Widerstand bricht.

Die Kommunisten, berüchtigt
für ihre Hinrichtungen
von Bürgern und Bauern,
deportierten ganze Schichten, bekanntlich
mach Zersplitterung gefügig.

Der Kapitalismus, darin geübt
den Widerstand des Menschen
gegen sein Inneres zu wenden,
begrüßt die ethnische Vielfalt, schließlich:
Entfremdete sind mit sich selbst beschäftigt.

Im Ergebnis stets
die gleiche Gewaltherrschaft.

Linke

Mit Mandaten kam das Alter,
auf Raten kam die Umgangsform.
Herr Radler wurde Fahrzeughalter
und hielt sich an die Abgasnorm.

Anfangs? Noch mit Volkes Klappe!
Ach, die Zeiten legten leise
Schweigen auf die Lebensschlappe –
Weltgeist wird auch altersweise.

Aber unter den Manieren
knurrt noch der Kommunardenfott:
Utopie, auf morschen Vieren
vorwärts im Oktobertrott!

Hinauf zum Kehricht der Geschichte
tanzt der Totenvolkskongress –
Gevatter Karl, mit menschlichem Gesichte,
klappert den Takt zur Polonaise:

Erhebt euch, Helden der Programme,
rot schwillt alle Theorie
im Fahnenwald zum Hahnenkamme
samt Klassenkropf und Kikriki!

Wieviel Murks, auf Flucht und Suche,
habt ihr übers Herz gebracht?
Dialektik schlug zu Buche –
Deckel druff. Und Schicht im Schacht.

 

Eine Replik auf Heinrich Heines Gedicht „Doktrin“, das 1844 in der Zeitschrift „Vorwärts“ erschien.

„Linke“ ist erstveröffentlicht in:
Boris Preckwitz, szene.leben – poems und Performance, Passagen Verlag, Wien, 2009, S. 64
ISBN: 978-3-85165-907-8

Daueralarm

Also das ist mit uns nicht zu machen!

Baut Barrikaden –
trommelt das Jammerkartell zusammen!
VIVAT das große Gegrabsche,
das sich Gesellschaft nennt.

Also das ist mit uns nicht zu machen!

Wahrlich, im Musterland des Handaufhaltens,
wo der soziale Friede die Torwand abgibt,
dass passend zur Sonntagsfrage
irgendein Schwalbenkasper
den Speck nach der Schwarte bolzt,

und Programmatschiks ihre Lebenslügen noch
und nöcher tief in den Fressnapf lallen,
und machen einander
den ewig glasigen Blick nach –
na bitte, wer halbwegs noch kann,
sieht den Handlungsbedarf gleich mal doppelt
im Vollrausch des Vorruhestandes –

denn das ist an der Tagesordnung:
dass der Griff in die Taschen des Nachbarn
den Segen der Wilhelmstraße genießt –
na wer wohl!
Weil schließlich doch alle nichts anderes wollen,
als was ihnen zusteht.
Was immer das sein mag!

Hasma ´ne Milliarde?

Während sich alles ans Füllhorn ranschmeißt
und die Beschenkten mit ganz frischem Stoff
ihren psychosozialen Verfall betreiben,
während landunter landab
die altneuen Seilschaften
klammheimlich hoffen,
dass der Abschwung auch ja bloß
direkt bei den Menschen ankommt,
jachtern Kassandren durchs Abendprogramm
und verwandeln es hasterklabaster
in eine Beschaffungsmaßnahme
für Schwarzmalerei, na also,
geht doch, die diagnostische Rasterfahndung.

Höchste Zeit für den Dreh am Daueralarm!

Denn das ist Programm:
hier in der Bonusrepublik, hier im Museum der modernen Totschlagsargumente,
wo sich die Entmündigungszunft
immer neue Bedürftige züchtet,
und die seit Jahrzehnten
die Dampfkeulen schwingen,
in schaler Debattenluft
Nachtrag um Nachtrag beschließen zur Lage der zugepumpten Nation,
lassen mal wieder, abrakadabra,
gar mächtig Reförmchen rieseln,
weil schließlich noch jedes Abzockbrosam
seine dankbaren Abnehmer findet,
weil ja eh schon das Land
nichts weiter mehr ist als ein Schuldenstand,
wo Demokratie soviel heißt wie:
die Nazis könnten´s wohl auch nicht besser.

Und was ist denn nicht faul im Staate Schilda?

Wo der nach dem Haken geschnappt hat
verlangt, dass auch alle anderen anbeißen sollen,
gefälligst, hierzulande, wo es sich immer noch
am besten mit der Kalkleiste im Kopp regiert,

wer will sich noch dazu bequemen,
die Risiken des eigenen Lebens zu tragen,
wo die Verdienste zukunftsweisenden Versagens
seit je nach vollen Bezügen schreien –
weil da auch noch dies, das und jenes
geregelt sein muss, kann und werden wird,

in diesem Land, selbstfremd und abgebrannt,
mit dessen Verstand
es nicht mehr weit her ist.

(2008)

Erstveröffentlicht in:
Boris Preckwitz, szene.leben – poems und Performance, Passagen Verlag, Wien, 2009, S. 65 ff.
ISBN: 978-3-85165-907-8

Spindoctor

Hochkant die Stadt im harten Licht
Berlin: vom Krisendeal zum Zielgefühl auf Zukunft projektiert,
die von sich Reden schwingt in den Etats
der mittleren Executives in dieser Neuen Mitte: der Lobbies und Lounges
wirkt Geld gewünschte Wirklichkeit,
und es gilt das gesprochene Wort, lanciert mit dem Siegel
gezielter Indiskretion auf Hearings in Hinterzimmern
und frisch verspiegelten Suiten der alten Eliten –
gerät man seinesgleichen in den Blick,
selbst Mittler unter Mittelsmännern, den Knoten der Krawatte straff
am Haifischkragen ausgerichtet und berichterstattet
den offiziellen Wortlaut diesem Staat in mittleren Jahren,
da kommt es sich selbst zu Ohren, Wort nach Maß, frisch aus der Maske,
in Dienstlimousinen hinter den Linden erscheint es
kurz eingeblendet
über dem Drive-In der Demokratie,
bevor es als Ehrenwort an Eides statt die Strippen zieht
in den Artikeln der Gesinnungspresse, sinngemäß,
oder besser noch zwischen den Zeilen, weiß es sich
reuig im Recht, denn alles was zählt ist
das Mittelmaß, so will es das Schlagwort, wenn es
das gestern Gesagte aus dem Gedächtnis löscht,
denn unter den Hand:
die vierte Gewalt
ist die Straße.

2000-2003

Erstveröffentlicht: Lyrik von JETZT, DuMont Verlag, Köln, 2003, S. 198

Meine Worte

Vor Tausenden Jahren
gefertigt sind Horte und Klingen,
die wir aus unserem Boden bergen.

Und noch in Jahrtausenden
werden zu orten sein die Geschosse
des Weltkriegs in unserer Erde.

So lange Schwert und Stahl bestehen
soll auch das Land
meine Worte sagen und singen.

schwarzekunst

tiegel blinken pegel sinken
wohin weist der teufelsschweif
zauberspruch ist aufgerufen
never catch a falling knife

diagramm zu diamanten
wer gibt frisches kapital
pack kriegt einen nachschub ratten
tanzen soll der hexenball

alle pakte und kontrakte
solve ut coagula
aktienbasket assetklasse
suchen ihren morningstar

flüssige kristalle flackern
aus dem athanor der gier
wer gewinnen will der hörnt sich
auf die stirn das große tier

bullenblut in rotem sulphur
lasset satans samen kochen
bis der wurf von seinesgleichen
aus dem destillat gekrochen

schmelze will noch restrendite
aus dem x-ten chromosomen
kerzenchart wirft schwarze schatten
fixing für ein böses omen

 

„schwarzekunst“ ist erstveröffentlicht in:
Boris Preckwitz, szene.leben – poems und Performance, Passagen Verlag, Wien, 2009, S. 70
ISBN: 978-3-85165-907-8